Schnitte im Schein - Immersive Videoinstallationen von Sondra Perry

Foto: Museum Ludwig Köln

Die 1986 in New Jersey, USA geborene Künstlerin Sondra Perry zieht in ihren Videoinstallationen Parallelen zwischen digitalen Bildtechnologien, der Konstruktion von Körpern und Identitäten sowie der Gewalt- und Kolonialgeschichte der Moderne. Found-Footage und digitale Animationen formieren sich zu Dialogen mit den Rezipienten: Sondra Perrys immersive Installationen für multiple Monitore stellen in Materialität und Montage konkrete Fragen an Gesellschaft, Geschichte, Arbeit, Lifestyle, das gedankenlose Ausnutzen von Körpern und nicht zuletzt den „Kunstkonsumenten“ selbst. „Wie viel Uhr ist es? Sondra fragt nur, weil Du mitten am Tag in einer Galerie bist – wie viele Jobs hast Du?“ fragt beispielsweise Perrys Avatar auf einem der Monitore von „Graft and Ash for a Three Monitor Workstation“, das an ein Fitnessgerät erinnert, allerdings nur schwerlich als solches genutzt werden kann und sich jeglicher Hoffnung auf Effizienz und Selbstoptimierung verweigert. Stattdessen sitzt man auf dem Laufrad dicht vor drei Monitoren und lauscht dem Avatar der Künstlerin– wobei die Technologien mitsamt den ihnen innewohnenden diskriminierenden Identitätskonstruktionen entlarvt werden. Auch die im Foyer des Museum Ludwigs zu erlebende Baggerinstallation „Eclogue of in(HABITABILITY)“ hebt den westlichen Exzeptionalismus aus den Angeln. Aus der Perspektive einer raumgreifenden Baumaschine erzählt Perry die Geschichte der Landnahme und Vertreibung, die mit der Anlegung des Central Parks in New York vor 200 Jahren einherging. Gleich daneben suggerieren Projektionen eines digitalen Renderings von Perrys Haut die Leiblichkeit des institutionellen Körpers.

Im ersten Teil der Veranstaltung haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, die beiden Installationen von Sondra Perry in ihrem musealen Kontext in der Ausstellung „HIER UND JETZT im Museum Ludwig: Transcorporealities" zu erleben (um Anmeldung zur Führung von Kuratorin Leonie Radine wird gebeten), danach folgt im Foyer unseres Festivalkinos Filmforum im Museum Ludwig ein Austausch mit Editor Andrew Bird und Kuratorin Leonie Radine über die Besonderheiten der Montage in Perrys immersiver Videokunst.

Schnitte im Schein - Immersive Videoinstallationen von Sondra Perry
Sonntag, 27. Oktober 2019, 17:30 - 18:30 im Museum Ludwig
Führung und Montagedialog: Leonie Radine (Kuratorin Museum Ludwig) und Andrew Bird (Editor)
In Kooperation mit dem Museum Ludwig
Um Anmeldung wird gebeten unter info@filmplus.de

Gäste

Leonie Radine studierte Kunstgeschichte in Marburg und Berlin. Seit 2015 ist sie am Museum Ludwig tätig und kuratierte dort u.a. „Transcorporealities“ und „Hausbesuch“ in der Reihe „HIER UND JETZT im Museum Ludwig“. Zudem arbeitete sie mit Direktor Yilmaz Dziewior an der Überblicksausstellung von Haegue Yang, an der Jubiläumsausstellung „Wir nennen es Ludwig“ und Einzelausstellungen von Trisha Donnelly, Heimo Zobernig, Joan Mitchell und Danh Võ. Zuvor war sie u.a. Projektkoordinatorin von Heimo Zobernigs Beitrag im österreichischen Pavillon auf der Venedig-Biennale 2015 und von 2010 bis 2013 kuratorische Assistentin von Susanne Pfeffer an den KW Institute for Contemporary Art, wo sie an Einzelausstellungen von Absalon, Wael Shawky und Cyprien Gaillard sowie Gruppenausstellungen wie „You Killed Me First. The Cinema of Transgression“, „Seeing is Believing“ und „ONE ON ONE“ beteiligt war.

Andrew Bird, geboren in London, lebt und arbeitet in Hamburg als freiberuflicher Editor und montiert für das Kino Spiel- und Dokumentarfilme gleichermaßen. Sein Werk ist stark geprägt von der langjährigen Zusammenarbeit mit Fatih Akin, dessen Filme er seit 1998 ausnahmslos montiert und dafür vielfach ausgezeichnet wurde: u.a. 2004 mit dem Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm für „Gegen die Wand“ und 2008 für „Auf der anderen Seite“, für dessen Montage er auch den Deutschen Filmpreis erhielt sowie 2009 mit einer Nominierung für den Deutschen Filmpreis/Bester Schnitt für „Soul Kitchen“ und 2016 für „Tschick“. Birds editorische Arbeit hat weitere Schwerpunkte in der Montage von Literaturadaptionen wie jüngst „Gut gegen Nordwind“ oder „Narziss und Goldmund“, in der Zusammenarbeit mit internationalen Filmemacherinnen wie Juli Delpy oder Miranda July, sowie mit deutschen Dokumentarfilmschaffenden wie Uli Gaulke und Videokünstlern wie Omer Fast. 

Foto: Museum Ludwig Köln